Kinotagesstätte #67: Was ist Camp?

„Ein Ferienlager aus Zelten oder einfachen Häuschen. Ach, und ihr habt den Artikel vergessen“, werdet ihr vielleicht auf die im Titel aufgeworfene Fragen antworten.

Um diese Art von Camp geht es in unserer 67. Folge allerdings nicht. Sondern um das, was die Essayistin Susan Sontag 1964 in ihrem Papier „Notes on Camp“ beschrieb und was in einigen Kreisen seitdem mit „intellektueller Begriff für Trash“ zusammengefasst wird.

Und doch zeigen ein Blick in Sontags Schrift sowie unsere Diskussion zum Thema, dass womöglich noch ein wenig mehr dahintersteckt. Welche Eigenschaften Camp hat, ob man das Konzept heute vielleicht neu und anders denken muss als Sontag, ob Camp nicht womöglich überall ist, und ob dieser Begriff überhaupt nötig ist, das besprechen wir in dieser Folge der Kinotagesstätte.

„Notes on Camp“ findet ihr hier als kostenloses PDF: https://monoskop.org/images/5/59/Sontag_Susan_1964_Notes_on_Camp.pdf

Viel Spaß beim Reinhören!

Die Kinotagesstätte findet ihr auf:

Timecodes:

0:00:20 Einleitung & Begrüßung
0:04:12 Thema der Folge: Was ist Camp?
1:19:29 Versuch einer Definition
1:24:37 Verabschiedung & Thema der nächsten Folge

Beitragsbild: (c) 20th Century Fox Deutschland

6 Kommentare Gib deinen ab

  1. eccehomo42 sagt:

    Ausgerechnet diese Folge mit dem Einleitungssatz habe ich erst gerade eben gehört und muss sagen, dass mir das sehr gut gefallen hat, auch wenn letztenlich keine Konklusion entstanden ist. Ich habe Mal drüber gelesen über das Essay und gemerkt, ich müsste mir dafür viel Zeit nehmen, um das mit der notwendigen Hingabe zu durchdringen. Respekt schon einmal dafür und auch die gesamte Diskussion war interessant und hat mich immer wieder zu neuen Gedankenstößen angeregt.
    Nach einer halben Stunde hatte ich mir kurz gefasst zurechtgelegt „Camp ist das, was gemeinhin als (guter) Trash bezeichnet wird“. Dann ging die Diskussion weiter und dabei bin ich kurzzeitig davon abgerückt, um am Ende wieder dahin zurückzukehren. In der Diskussion enge oder weite Definition bin ich bei Benni, der ganz oft in dieser Folge meinen Standpunkt vertreten hat. Ein solch unbekannter Begriff wie Camp (ich kannte den auch nur aus der Gaybubble, so wird der ESC gerne Mal als Camp bezeichnet) bedürft einer engen nahezu universell verständlichen Defniton, um mit dem Begriff in der Sprache arbeiten zu können.
    Da gerade Benni sich als Rezitator der Thesen Sonntags verdient gemacht hat, komme ich zu dem Schluss, dass sie versucht hat einen intellektuellen Zugang zu etwas zu schaffen, wozu sie keinen standatisierten intellektuellen Zugang schaffen kann. Das nicht intellektuelle intellektuell greifbar zu machen. Dabei hat sie dann alles, was sie mit einem intellektuellen Blick nicht für gut deklarieren kann zu einer These zu verarbeiten, was sie dann unter dem Begriff Camp subsumieren kann. So wirkt es zumindest anhand dessen, wie Benni die Thesen herausgreift, die sich für meinen Geschmack zu oft widersprechen.
    Wenn ich mir aus eurer Aufarbeitung des Essays eine Definition zusammenreimen müsste, dann wäre die wahrscheinlich zusammengesetzt aus folgenden Punkten:
    – will etwas erreichen, bei dem er scheitert
    – ist dadurch nach gängigen Kriterien für Kunst & Kultur schwach
    – aber dennoch auf niedrigem Niveau unterhaltsam
    Wenn ich einen Film demnach als Camp bezeichnen würde, würde ich ihn als „schlecht, aber unterhaltsam“ bezeichnen und das ist dann auch wieder subjektiv, aber in einem klar umgerissenen Spektrum. „F9“, den ich letztes Wochenende nachgeholt habe würde ich zum Beispiel als Camp bezeichnen, genauso wie die Mantafilme der 90er oder eben Batman & Robin. Auch einige Trashfilme, die bei Schlefaz präsentiert werden, würden für mich darunter fallen, aber brauche ich für etwas, das nicht gut, ambitioniert, aber gescheitert und dennoch irgendwie unterhaltsam ist einen eigenen Sammelbegriff, der nicht einmal in der Breite so definiert wird? Eigentlich nicht und da widerspreche ich auch Marius, wenn jemand solche unklaren Begriffe verwendet frage ich nach, außer es interressiert mich nicht oder durch die Verwendung solcher unklaren Begriffe wird es für mich weniger interessant.

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    1. Vielen Dank schon mal für dein ausführliches Feedback – und für die Rückmeldung, dass sich da zumindest zeitweise eine ganz interessante Diskussion ergeben hat. Das war auch das vorrangige Ziel und weniger, am Ende eine einheitliche Definition zu erhalten.
      Es war natürlich nicht der einfachste Text, da stimme ich dir und den beiden anderen zu, das habe ich ob meiner Studium-Vorbildung vielleicht etwas unterschätzt, und letztlich hat sich unsere Diskussion auch etwas im Kreis gedreht. Aber ich denke, wir haben das ganz gut bewältigt. Dann können wir ja in meiner nächsten Folge Sontags Essay „Against Interpretation“ angehen, oder, Benni und Marius? ^^

      Der ESC ist für seine Fans, nach meinem Verständnis jedenfalls, natürlich ziemlich großer Camp – dort kommt es ja auch weniger auf die Musik selbst als auf das Pompöse der Show an, oder sehe ich das falsch?
      Aber mit deiner Meinung zu F9 sind wir schon mal in etwa auf einer Linie, was die meiner Ansicht nach Omnipräsenz von Camp in modernen Blockbustern betrifft.

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      1. Ich schlage vor, dass du selbst ein Essay verfasst, über das wir dann diskutieren.

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      2. eccehomo42 sagt:

        Teile der Fanbubble des ESC würden dir zustimmen, für mich ist das jedoch zu null Prozent Camp, da es mir vor allem auf die Musik ankommt und dann auf den Völkerverständigungsaspekt und weniger um die Pompösität der Show und das ganze drumherum.
        Ohne es direkt als Camp bezeichnen zu wollen, deckt einiges davon mein Problem mit vielen aktuellen Blockbustern ab und da greift F9 ganz tief rein

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    2. Da versucht man, dich mit der Anleitung anzusprechen, und wieder nix. Na, vielleicht in zwei Wochen, da wird es ein kleines bisschen interaktiv.

      Ich sach ma so: wenn ein Begriff knapp 60 Thesen benötigt, dann ist das keiner, den man gemeinhin verwenden sollte. F9 war leider ziemlicher Schmu; kein Vergleich zum vergnüglichen fünften Teil.

      Vielleicht kommen wir bei der Besprechung von Arrival noch einmal auf Marius‘ Ansicht zu sprechen, denn welchen Sinn hat ein Gespräch, wenn jeder seine eigenen Worte nutzt, mit denen der andere nichts anfangen kann?

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      1. eccehomo42 sagt:

        Ich glaube vom fünften Teil habe ich mehr in Erinnerung (den habe ich das letzte Mal vor fünf Jahren gesehen) als vom neunten in zwei Wochen. Ich mochte ja selbst den achten, den viele schon Schmu (herrliches Wort btw) hielten, aber das hier hat mich obschon seiner Dummheit zum Gackern im Saal gebracht…

        Spoiler: Gar keinen, dann ist es auch kein funktionierendes Gespräch^^

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